Interview mit Christoph Heider – Gründer der Heider-Kober-Stiftung: Engagement für bessere Lebensperspektiven in Boboyo

titel_interview_hksIn einem Interview für ident.africa e.V. beschreibt Christoph Heider, Gründer der Heider-Kober-Stiftung sein Engagement für Afrika. Aus seiner Sicht müsse mehr getan werden, damit die Lebensperspektiven von Frauen und Männern nachhaltig verbessert werden und die Bevölkerung ein menschenwürdiges Leben führen können. Um Boboyo wirklich zu einem langfristigen Erfolg werden zu lassen, müsse die Last der Finanzierung auf mehrere Schulter verteilt werden. Die Heider-Kober-Stiftung ist Seit 2012 ein strategischer Partner von ident.africa e.V., unterstützt verschiedene Projekte zur Einkommenssicherung und finanziert Arbeitsstellen in Boboyo.

Herr Christoph Heider, was erzählen Sie unseren Lesern, die gern wissen möchten wer Sie sind?

Kurz und knapp: Ich bin 50 Jahre alt, habe 2 Brüder und 2 Schwestern, habe Deutschland 1997 verlassen und war dann 8 Jahre in Japan, 2005 wieder in Deutschland und seit 2010 in Korea, wo ich mit meiner japanischen Frau und unseren Kindern in Seoul lebe. Meine Schwestern sind im Alter von ca. 2 Jahren aus Indien zu uns gekommen. Einer meiner Brüder ist mein Zwillingsbruder Stephan, mit dem ich schon seit unseren Teenagertagen die Idee einer Stiftung diskutiert habe.

Was waren die Beweggründe im Jahr 2008 die Heider Kober Stiftung (HKS) zu gründen? Welche Ziele verfolgt die Stiftung und wer sind Ihre Mitstreiter?

Die Geschichte der Stiftung fängt schon 2007 an. Mit meinem Bruder Stephan und unserem Freund Steffen haben wir lange und intensiv darüber gesprochen, wie wir die Stiftung aufziehen wollen und worauf wir uns konzentrieren wollen. Klar war aber von Anfang an, dass wir eine Stiftung gründen wollten, damit die ganze Sache nachhaltig wird. Da unsere Stiftung relativ klein ist, haben wir uns bewusst entschieden, Arbeitsstellen zu finanzieren. Wenn wir dazu beitragen können, dass jemand eine Arbeit hat, etwas sinnvolles tut und auch noch Geld verdient um die Familie zu ernähren, ist das eine super Sache. Ab und zu machen wir auch ein paar Ausnahmen, wie zum Beispiel die finanzielle Unterstützung zur Installation der Solaranlage in Boboyo.

Vor 2 Jahren ist noch Inka, Stephans und meine Schwägerin, zu unserem kleinen Team hinzugestoßen. Damit sind wir jetzt 4 Leute, die die finanziellen Mittel zum weiteren Ausbau der Stiftung bereitstellen sowie die finanzielle Lücke zwischen Fördergeldern und Stiftungserträgen ausgleichen.

Sie unterstützen seit der Stiftungsgründung u.a. Projekte in den Philippinen und Mozambique. Was hat Sie dazu motiviert in diesen Ländern aktiv zu werden?

Wir suchen immer persönliche Bezugspunkte. Mein Bruder ist glücklich mit einer Filipina verheiratet, also haben wir ein Projekt auf den Philippinen gesucht. Die Schwester von Steffens Schulkameraden arbeitet in Mozambique als Missionarin, also unterstützen wir dort wo sie arbeitet. Der Kontakt zu ident.africa bzw zu Fred-Eric ist über meinen ehemaligen Kollegen Ulrich Pawlak zustande gekommen. Gerne würden wir auch noch ein Projekt in Rumänien anfangen, da Freunde meine Eltern sehr aktiv in Oradea sind. Aber leider reichen unsere finanziellen Mittel derzeit dazu nicht aus. Da müssen wir noch ein bisschen warten.

Seit 2012 unterstützen Sie in Boboyo verschiedene Projekte. Wie kamen Sie dazu und welche Veränderungen konnten Sie für die Menschen vor Ort feststellen?

Ich habe mal Ulrich Pawlak, Beirat von ident.africa e.V., im Rahmen eines Projektes kennengelernt. Wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden, so dass wir dann auch ab und an über andere Sachen als Arbeit gesprochen haben. Ulrich hat dann mal erwähnt, dass er bei ident.africa aktiv ist. Das hat mich schon sehr beeindruckt, was ihr da macht. Auf einem meiner Heimaturlaube habe ich mich dann persönlich mit Fred-Eric Essam, dem Gründer von ident.africa, und Ulrich Pawlak getroffen. Dies haben wir direkt genutzt, um unsere künftige Zusammenarbeit abzustimmen.

Die Veränderung vor Ort kann ich leider nicht persönlich beurteilen, da ich selbst noch nie in Boboyo war.

Eine strategische Partnerschaft zwischen der Heider-Kober-Stiftung und ident.africa e.V. wurde 2013 initiert. Wie wichtig sind für Sie solche Kooperationen und was konnten Sie in Boboyo bisher erreichen?

Eine strategische Partnerschaft ist extrem wichtig. Wir möchten nicht für 1 oder 2 Jahre etwas förden und dann zu einem anderen Projekt wechseln. Gerade weil wir “Menschen” finanzieren wollen ist es wichtig, dass wir uns für mindestens 5 Jahre verpflichten. Menschen brauchen Planungssicherheit und das haben wir nur mit einer strategischen Partnerschaft. In den ersten Jahren haben wir allerdings erstmal mit insgesamt knapp 4.000 Euro die Installation der Solaranlage unterstützt. Seit September diesen Jahres finanzieren wir nun die Stelle von Sarah Klang, die sich als Krankenschwester um die Kinder in Boboyo kümmert.

Für 2017 haben wir ident.africa eine Zusage für den Kauf von Nähmaschinen und der Finanzierung von 2 Ausbilderinnen gemacht.

Viele Junge Afrikanerinnen und Afrikaner verlassen ihre Heimat aufgrund der Perspektivlosigkeit. In Europa versuchen sie ein besseres Leben zu finden und Arbeit zu suchen. Was muss aus Ihrer Sicht vor Ort getan werden, damit sie gar nicht die gefährliche Reise über das Mittelmeer auf sich nehmen? Was tut HKS aktuell und was planen Sie in Zukunft, u.a. in Boboyo?

Ich glaube, dass nicht alle Menschen ihre Heimat gerne verlassen. Ich habe es getan, aber das ist schon etwas anderes. Die Lebensbedingungen müssen so sein sein, dass man ein menschenwürdiges Leben führen kann. Wenn das geschafft ist, werden keine Menschen mehr den Wunsch verspüren in ein anderes Land zu gehen. Wir hoffen, dass mit der Finanzierung von 3 Menschen nicht nur diese davon profitieren, sondern auch indirekt das Dorf.
Die Heider-Kober-Stiftung ist ein strategischer Partner von ident.africa und wir werden die Gehälter der drei Menschen weiter finanzieren. Ab und an, gegebenenfalls ein paar Sachprojekte förden. Mehr kann die Stiftung jedoch nicht leisten.
Um Boboyo wirklich zu einem langfristigen Erfolg werden zu lassen, muss die Last der Finanzierung auf mehrere Schulter verteilt werden. Da sollten wir auf jeden Fall gemeinsam Strategien entwickeln.

Eine letzte Frage Herr Heider: werden Sie irgendwann nach Boboyo reisen?

Klar – und zwar 2018 wenn unsere Stiftung 10 Jahre alt wird. Aber nur wenn Fred-Eric Essam und Ulrich Pawlak mitkommen. Fred-Eric brauche ich sowieso als Dolmetscher, da mein Französisch nicht so prickelnd ist.

Über Heider-Kober-Stiftung
Die Heider-Kober-Stiftung, kurz HKS genannt, wurde als Treuhandstiftung der Stiftung Kinderfonds gegründet und als förderungswürdig seitens des Finanzamts München anerkannt. Stiftungszweck ist die Förderung von gemeinnützigen Projekten im Kinder- und Jugendbereich. Die Heider-Kober-Stiftung sieht sich dabei als unabhängige Stiftung, die weder an eine Religion, eine Nation oder eine Partei gebunden ist. Treibende Kraft bei der Stiftungsgründung waren die Brüder Christoph und Stephan Heider sowie Steffen Kober, die der Stiftung ihren Namen gaben und gegenwärtig den Vorstand der Stiftung bilden.

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