Interview mit Fred-Eric Essam

Interview mit Fred-Eric Essam, dem Gründer und Vorsitzenden der Organisation ident.africa e.V., zu seinen Beweggründen, ident.africa zu gründen.

N. Poli: Herr Essam, meine erste Fragen an Sie bezieht sich auf Ihre Motivation zur Gründung von ident.africa. Sagen Sie uns doch bitte, was waren Ihre Beweggründe im Jahre 2004, die Organisation zu gründen und wieso spezialisieren Sie sich mit Ihrer Hilfe ganz speziell auf das Dorf Boboyo in Nordkamerun.

F. E. Essam: Mein Vater kommt aus der Region. Er ging dann in andere Städte im Süden und Westen und ich hatte die Möglichkeit, in Douala das Abitur zu machen. Damit war der Grundstein für meine Laufbahn gelegt, Kamerun gab mir ein Stipendium und ich konnte in Deutschland Biomedizin Technik studieren. So konnte ich bei IBM als Sales Manager tätig werden und im Jahr 2004 dachte ich, dass es an der Zeit ist, meinem Land und den Menschen dort etwas zurückzugeben.

N. Poli: Und was haben Sie als Verein seitdem erreicht?

F. E. Essam: Dank meiner vielen Freunde im Verein, aus meiner Sicht, eine ganze Menge.
In den Satzungszielen haben wir einmal stehen, sowohl in Deutschland als auch in Afrika eine Sensibilisierung zu erreichen, dass man aktiv werden muss, um den Graben zu überwinden, der entwicklungsmäßig zwischen Afrika und den anderen Orten in der Welt existiert. Und das geht nur mit einer Verbesserung der Struktur, mit einer Ertüchtigung der Menschen in Afrika, sich zu bilden, moderne Werkzeuge zu nutzen und selbstbewusst nach einem Anschub die Dinge in die Hand zu nehmen. Konkreter gesprochen haben wir für Boboyo Lehrer angestellt, Schulmaterial beschafft, Bänke tischlern lassen und mit unserer Aktion für eine enorme Resonanz in ganz Kamerun gesorgt. Und nun geht es weiter.

N. Poli: Das hört sich sehr gut an. Es ist aber sicherlich schwierig, sich von anderen gemeinnützigen Organisationen abzuheben? Wie erreichen Sie Ihre Mitglieder und Sponsoren und was macht ident.africa Ihrer Meinung nach so „anders“?

F. E. Essam: Auch andere Organisationen sind tüchtig und haben, denke ich mal, auch ehrenwerte Motive. Aber wir wollen sehr persönlich ansprechbar sein und sind mehr als nur eine Broschüre und eine Kontonummer. Jeder kann uns kennen lernen und sich ein Bild machen, wer wir sind und wer unsere Partner in Kamerun sind, der sogenannte Codebo, sehr vertrauenswürdige engagierte Menschen, die wir persönlich kennen. Wir bringen die Gesichter zusammen, deswegen auch unsere Dokumentationen, Filme und Reportagen. Und wir sind schon eine Art Familie und Freunde, die auch Verantwortung übernehmen möchten. Das überzeugt auch die Sponsoren in den verschiedenen Unternehmen, die sich immer ein Bild über den Stand unserer Arbeit machen und nachfragen, was Sie noch tun können.

N. Poli: Was sind die Ziele von ident.africa in den nächsten 2-3 Jahren? Gibt es da schon konkrete Zielsetzungen oder Visionen?

F. E. Essam: Wir werden mehrere Dinge tun. Wichtig ist Kontinuität. Deshalb werden wir auch die Aktion vom letzten Jahr fortsetzen und weiter Lehrer beschäftigen und Schulmaterial besorgen. Auch werden wir den Grundstein für ein neues Schulhaus legen, als leuchtendes Beispiel für den festen Wille zu einer stabilen Bildungszukunft. Aber nun kommt auch die Technologie hilfreich zum Zuge. Dank der Initiative der Firma Wallstein wird eine Photovoltaik-Anlage zur Stromversorgung aufgebaut, verbunden mit der Ausbildung einiger Freunde aus Boboyo, diese Anlage zu warten. Wir finden es auch fantastisch, dass der Senior-Experten-Service uns unterstützt, ein kompetenter Ingenieur wird uns für mehrere Wochen zur Seite gestellt. Unsere Vision lautet, Bildung zum Schlüssel um Erfolg zu machen, die Kinder und auch die Erwachsenen werden mutig und qualifiziert, dann selbst Ihre Zukunft in die Hand zu nehmen und Ihre Gemeinde nach vorne zu bringen. Und wir hoffen, dass viele uns nachahmen, in ganz Afrika.

N. Poli: Ja, wunderbar. Wie möchte ident.africa seine Ziele erreichen? Herr Essam, was glauben Sie, was ganz speziell dafür getan werden muss, damit diese Ziele für Boboyo auch erreicht werden können?

F. E. Essam: Die Ziele müssen realistisch bleiben und trotzdem attraktiv und wirkungsvoll. Für die Umsetzung brauchen wir natürlich Geld von den Sponsoren. Man kann beispielsweise mit 1.000 Euro eine enorme Unterstützung direkt vor Ort ermöglichen und zwei Lehrer für ein Jahr finanzieren.

N. Poli: Nur noch eine letzte Frage an Sie, Herr Essam. Was würden Sie zu einem Unternehmer oder einer Privatperson sagen, die Sie von der ident.africa Hilfe überzeugen möchten?

F. E. Essam: Ich erzähle Ihnen von meinem Land, meinen Freunden dort und hier in Deutschland und ich berichte über Dinge, die andere Themen beleuchten als Wirtschaftlichkeit, Wettbewerb, Kennzahlen, Maschinen. Ich spreche darüber, etwas für andere Menschen zu tun, die eine Hilfe mit viel Dankbarkeit aufnehmen und gewillt sind, sich dann auch für Ihre eigene Region einzusetzen und eine Perspektive zu schaffen, seien es die Kinder, die Lehrer, die Bewohner und auch die Politiker. Und ich lade sie auch ein, hier in Deutschland an Vereinsaktionen mitzuwirken und neue Freunde und Partner zu finden.

N. Poli: Herr Essam, vielen Dank für Ihre Stellungsnahme. Ich denke, dass die gute Arbeit von ident.africa e.V. für die Leser und ident.africa Interessierten verständlich rübergebracht wurde und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg, viele Spenden und Sponsoren.
Alles Gute für Ihre nächsten Ziele.

F. E. Essam: Ja, vielen herzlichen Dank.

Das Interview führte Frau Nicole Poli.

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